19. Juni 2012

Enbruch am Raid Evolénard

Die grosse Hitze beim längsten Rennen des Juralp Cup bedeutete für meinen schwächsten Körperteil, meinen Magen, eine grosse Herausforderung. Trotz guter Vorbereitung konnte ich während des Rennens zu wenig trinken und brach gegen Schluss des Rennens ein.

Die Wetterprognosen versprachen für letzten Sonntag sonniges und heisses Sommerwetter. Auch zuhinterst im Val d'Hérens im Wallis, dem Austragungsort des Raid Evolénard, wurde es schon am Vormittag recht heiss. Die Streckenlänge von 54 Kilometern mit 2050 Höhenmetern bedeuten das längste und härteste Rennen des diesjährigen Juralp Cup. Vom Vorjahr kannte ich die Strecke mit den beiden langen Steigungen auf je über 2200 Metern über Meer. In der ersten Steigung fühlte ich mich sehr gut und fuhr recht ansprechend bei den vordersten über 50-jährigen Fahrern mit. Auch auf dem ersten Kulminationspunkt war es warm und ich konnte die Abfahrt ohne zu frösteln ohne Windweste fahren.

Direkt nach der ersten Zieldurchfahrt in Les Haudères begann die zweite lange Steigung. Zu Beginn galt es einige Male abzusteigen und das Bike zu schieben, so steil und verblockt war der Weg. Zunehmend bekundete ich Mühe, genügend Flüssigkeit zu mir zu nehmen. Wie schön oft in der Vergangenheit, konnte mein empfindlicher Magen bei Hitze und Wettkampfbelastung über mehrere Stunden die Flüssigkeit nicht mehr aufnehmen. Ein höchst unangenehmes Gefühl wenn man Durst hat, aber man nichts mehr trinken kann! Nach drei Rennstunden hatte ich erst einen knappen Liter Flüssigkeit getrunken, mehr brachte ich nicht hinter den Gaumen. Etwa zweieinhalb Kilometer vor dem zweiten Kulminationspunkt kam der Einbruch. Dehydriert und mit Krampferscheinungen musste ich ein paar Mal anhalten und auch das Tempo deutlich drosseln.

Da spürte ich nun in vollen Zügen die Härte und Widerwärtigkeiten, die der Radsport bieten kann: Kraftlos, durstig, mit Krämpfen in den Beinen und Brechreiz war ich alleine in einer Steigung an praller Sonne in den Fesseln der Natur! Die gute Position im Rennen schwindet dahin, die Dusche weit weg und die Alternative einer Ersatzbank kennen wir schon gar nicht ...

Auch in der langen Abfahrt konnte ich in meiner Verfassung nicht die nötige Konzentration aufrecht erhalten und fuhr deutlich langsamer als gewohnt. Viele Fahrer überholten mich, an Juralp Cup-Rennen bin ich sonst einer derjenigen, welche in den Abfahrten überholen! Die letzten zwei Kilometer im Talboden dem Ziel entgegen waren fast flach. In meinem Zustand brachte ich den Puls noch knapp auf 125 Schläge und mein Tempo war wohl langsamer als wenn ich mit Hemd und Krawatte locker zur Arbeit fahre! Im Ziel hatte ich auf meine Vorjahreszeit 17 Minuten verloren. Mit dem 7. Rang war ich trotzdem noch im ersten Drittel klassiert und im Zwischenklassement des Juralp Cup rutschte ich auf den zweiten Rang ab.

Fazit: Für den Umgang mit Mängeln oder Schwächen gibt es zwei Möglichkeiten: Verändern oder akzeptieren. Verändern kann ich es nicht, also akzeptiere ich meinen Magen wie er ist. Deshalb kann es sein, dass bei schlechten Wetterprognosen vor einem langen Wettkampf in meinem Gesicht ein zufriedenes Lächeln auszumachen ist!

Rangliste Le Raid Evolénard: http://www.raidevolenard.ch/desktop/classement-raid-2012.pdf
Zwischenklassement Juralp Cup: http://www.juralp-cup.ch/images/pdf-2012/C3-2012.pdf

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